Intervallfasten: eine Aufarbeitung!

Das intermittierende Fasten liegt im Trend. So treffen wir auch in unserer Beratung sehr oft auf Kunden oder Athleten, welche bewusst oder unbewusst in unterschiedlichsten Formen (z.B. 6/1, 5/1, 16/8 etc.) fasten. Anhand unserer Analysen sehen wir bei nahezu allen einen verschlechterten Sauerstofftransport und somit eine reduzierte Leistungsfähigkeit. Wie kommt das, obwohl diese Ernährungsform so gehypt ist?

Definition

Intermittierendes Fasten (IMF), Intervallfasten oder Kurzzeitfasten ist die Bezeichnung für eine Ernährungsform, bei der ständig, in einem bestimmten Rhythmus, zwischen Zeiten der normalen Nahrungsaufnahme und des Fastens gewechselt wird [1].

Weshalb der Hype um IMF

In verschiedenen Tiersstudien führte das intermittierende Fasten bei den so ernährten Tieren – im Vergleich zu Tieren mit konventioneller Ernährung – zu diversen positiven Adaptionen. Zu den Auswirkungen bzw. Beobachtungen gehörten folgende Punkte:

  • Gewichtsreduktion
  • Erhöhte Lebenserwartung
  • Reduziertes Krebswachstum
  • Verbesserung Autophagie
  • Verringerung der toxischen Wirkung bei einigen Arznei- und Giftstoffen
  • Höhere Überlebenswahrscheinlichkeit nach schwerer Operation
  • Reduziertes Auftreten von Diabetes und diabetes-assoziierten Komplikationen
  • Reduzierte Symptome von Alzheimer

Problematik

Die in Tierversuchen erzielten Ergebnisse sind nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. So sind klinische Forschungsstudien zum Fasten, die solide konzipiert sind und ein hohes Mass an klinischer Evidenz aufweisen, in der Literatur rar. Die wenigen randomisierten kontrollierten Studien und klinischen Beobachtungsstudien stützen zwar die Existenz eines gesundheitlichen Nutzens des Fastens, doch sind weitere umfangreiche Untersuchungen am Menschen erforderlich, bevor die Anwendung des Fastens als Gesundheitsmassnahme empfohlen werden kann [2].

Stoffwechselsituation beim Hungern

Stellt sich im Körper der Funktionszustand des Hungerns ein kennzeichnet sich dies durch den Abbau der Energiespeicher. Nachdem die Kohlenhydratreserven verbraucht sind, sinkt der Insulinspiegel ab. Als Gegenreaktion steigt der Spiegel von anderen Hormonen (Glukagon, Wachstumshormon und Kortisol) im Blut an. Dies bedingt eine gesteigerte Aktivität des Fettstoffwechsels, der Kohlenhydratneubildung und der Ketogenese. Der Blutzuckerspiegel wird nun über die Glukosegewinnung aus Aminosäuren, Glyerzol und Laktat stabilisiert. Bei langfristigem Hunger stellen sich die Organe und Gewebe (bis auf die Erythrozyten) zunehmend auf die Verwertung von Ketonkörpern um.

Vorteile

Unter anderem auch aufgrund dieser Stoffwechsellage kann sich gerade bei stark übergewichtigen Menschen die Insulinsensitivität wieder verbessern. Ein für mindestens 72h konstant niedriger Insulinspiegel triggert zudem den Prozess der Autophagozytose [3]. Um einen solchen Zustand zu erreichen, sind vor allem Heil- und Scheinfasten geeignet. Populäre Fastenmethoden wie Intervall- oder Intermittierendes Fasten (z.B. 16/8-Schema) hingegen reichen nicht aus.

Der Begriff Autophagie bezeichnet die natürliche Erneuerung und Wiederverwertung beschädigter Zellen. Das Phänomen nimmt damit eine unglaublich wichtige selbstreinigende Funktion ein und stellt damit fast ein kleines Naturwunder dar.

Fallstricke

Fragen wir unsere Kunden, weshalb Sie bis anhin gefastet haben, dann begründen sie dies entweder mit «Bequemlichkeit» oder dem Wunsch einer Körperfettreduktion. Dies sehen wir skeptisch. Denn es gibt derzeit im Gegensatz zum Tiermodell keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass eine Kalorienrestriktion über IMF erfolgsversprechender ist als eine herkömmliche Reduktionsdiät [4].

Dazu kommt, dass aufgrund der oben dargestellten Stoffwechselsituation die Kohlenhydratspeicher im Körper leer sind. Ist der Organismus während dieser Zeit einem weiteren Stressor wie z.B. einem intensiven Training oder Alltagsstress ausgesetzt wird der Körper gezwungen wertvolle Eiweissbausteine als Energieträger zu rekrutieren. Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im hochintensiven (anaeroben) Bereich leiden. Wird dieser Lebensstil dennoch beibehalten sehen wir anhand unserer Messungen, dass der Körper in einem nächsten Schritt den Sauerstofftransport drosselt. Regeneration, allgemeine Leistungsfähigkeit, Schlafqualität, Verdauung sowie Immunsystem können dann darunter leiden.

Empfehlung betteryou

Wie jede Ernährungsform hat auch das IMF seine Vor- und Nachteile. Deshalb sollten bei der Auswahl der Ernährungsform zwingend die individuellen Bedürfnisse des eigenen Organismus berücksichtigt werden. Ist dies für dich schwer abzuschätzen oder möchtest du aufgrund einer bestimmten Erkrankung fasten, empfehlen wir dir das Ganze mit einer ausgewiesenen Fachperson zu besprechen.

Autor: Benjamin Signer

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